Strategie & Relaunch

Website-Relaunch planen: Was vor dem Design geklärt sein muss

Ein Relaunch braucht mehr als neue Oberflächen. So planen Sie Inhalte, Zuständigkeiten, URL-Wechsel und die Abnahme, damit die neue Website im Alltag funktioniert.

Ein konkretes Problem statt eines neuen Looks

Eine Website kann modern aussehen und trotzdem die falschen Fragen beantworten. Bevor Sie über Farben, Animationen oder ein neues CMS sprechen, sollten Sie deshalb festhalten, was heute nicht funktioniert. Kommen Anfragen zu Leistungen, die Sie gar nicht anbieten? Finden Bestandskunden keine Unterlagen? Braucht die Redaktion für kleine Änderungen externe Unterstützung? Aus solchen Beobachtungen entstehen überprüfbare Projektziele.

Ein brauchbares Ziel lautet beispielsweise: Interessenten sollen erkennen können, ob wir auch einzelne Standorte betreuen, und direkt die dafür zuständige Person erreichen. „Zeitgemäßer auftreten“ ist dagegen zu offen, um spätere Entscheidungen daran zu prüfen. Begrenzen Sie die erste Projektphase auf wenige priorisierte Probleme und benennen Sie für jedes einen Verantwortlichen.

Vorhandene Inhalte bewerten und Entscheidungen dokumentieren

Erstellen Sie ein Inventar der bestehenden Seiten. Erfassen Sie URL, Thema, Zielgruppe, fachlich verantwortliche Person und die Entscheidung: behalten, überarbeiten, zusammenführen oder entfernen. Ergänzen Sie verfügbare Hinweise zur Nutzung, etwa Suchanfragen, Einstiegsseiten und Rückfragen aus dem Vertrieb. Wenig Traffic allein ist kein Löschgrund: Eine selten besuchte Supportseite kann für betroffene Kunden entscheidend sein.

Prüfen Sie besonders Leistungsseiten, Referenzen und Kontaktinformationen. Welche Aussagen lassen sich belegen? Welche Bilder dürfen weiterverwendet werden? Welche Texte fehlen noch? Für jede neue Seite sollten Zweck, Kernaussage und gewünschter nächster Schritt vor der Gestaltung feststehen. So wird das Design mit tatsächlichen Inhalten geprüft und nicht mit Platzhaltern, die später durch doppelt so lange Texte ersetzt werden.

Den Projektumfang an vollständigen Abläufen festmachen

Eine Seitenanzahl beschreibt den Aufwand nur unvollständig. Ein einfaches Kontaktformular kann mehrere Systeme berühren: Website, E-Mail-Versand, CRM und interne Zuständigkeiten. Beschreiben Sie deshalb vollständige Abläufe. Was gibt eine Person ein, was sieht sie danach, wo landen die Angaben und wer bearbeitet sie? Auch Fehlerfälle und Vertretungen gehören dazu.

Trennen Sie notwendige Funktionen von späteren Ausbaustufen. Für den ersten Start kann eine verlässliche Termin-Anfrage genügen, während eine aufwendige Kalenderintegration später folgt. Legen Sie zugleich fest, was ausdrücklich außerhalb des Auftrags liegt. Neue Wünsche lassen sich dann anhand ihres Nutzens und ihrer Auswirkungen auf Zeit und Budget bewerten.

URL-Wechsel als eigene Aufgabe planen

Wenn sich Adressen ändern, braucht jede relevante alte URL ein fachlich passendes Ziel. Führen Sie dafür eine Zuordnungsliste. Eine alte Produktseite sollte möglichst zur entsprechenden neuen Produktseite führen; sämtliche alten Adressen pauschal auf die Startseite umzuleiten, hilft Nutzern bei ihrer ursprünglichen Frage kaum.

Google empfiehlt für dauerhafte URL-Wechsel permanente serverseitige Weiterleitungen und möglichst direkte Wege zum endgültigen Ziel. Aktualisieren Sie außerdem interne Links und die Sitemap. Prüfen Sie beim Start, ob versehentliche Zugriffssperren aus der Testumgebung übernommen wurden. Ein Relaunch garantiert keine stabilen Rankings; planen Sie Zeit für Beobachtung und Korrekturen ein.

Mit echten Aufgaben abnehmen

Eine reine Sichtprüfung der Startseite reicht nicht. Stellen Sie vor der Freigabe typische Aufgaben zusammen: eine Leistung finden, eine Datei herunterladen, eine Anfrage auf dem Smartphone absenden und einen Beitrag im CMS aktualisieren. Testen Sie auch Tastaturbedienung, Fehlermeldungen und den Eingang der Nachricht bei der zuständigen Stelle. Definieren Sie vorab, welche Fehler den Start verhindern.

Organisieren Sie den Übergang ausdrücklich: Wer veröffentlicht, wer kontrolliert Weiterleitungen, wer beobachtet Formulare und wer kann bei einem kritischen Problem zurückrollen? Sichern Sie vor dem Wechsel die bisherige Konfiguration und Inhalte. Eine verantwortliche Person sollte die Ergebnisse der Abnahme dokumentieren und die offenen Punkte mit Priorität versehen.

Der nächste sinnvolle Schritt

Beginnen Sie mit einem gemeinsamen Arbeitsdokument statt mit einem Designentwurf. Halten Sie drei konkrete Probleme, die wichtigsten Nutzeraufgaben, die kritischen Inhalte und die beteiligten Systeme fest. Ergänzen Sie Verantwortliche und Abnahmekriterien. Damit entsteht eine Grundlage, auf der Angebote vergleichbar und Entscheidungen nachvollziehbar werden.

Nach dem Start endet das Projekt nicht schlagartig. Reservieren Sie einen festen Termin, um Suchanfragen, echte Kundenrückmeldungen und die Qualität eingehender Anfragen auszuwerten. Vergleichen Sie ähnliche Zeiträume und berücksichtigen Sie Kampagnen oder saisonale Effekte. Verbessern Sie anschließend gezielt die Stellen, an denen Nutzer ihre Aufgabe noch nicht zuverlässig erledigen können.

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